Von Schönheit, Liebe und Schmerz

Beim Kauf einer Oldtimer-Schönheit passiert unerfahrenen Ästheten mitunter das gleiche Malheur wie bei der Wahl einer neuen Freundin. Geblendet von der Optik wird prompt das falsche Modell mitgenommen.

Dazu fällt uns ein Vers des Dichters August von Platen ein, hier ein gekürzter Ausschnitt:

Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,

...wen der Pfeil des Schönen je getroffen,

ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!

(Aus: „Tristan“, geschrieben von Graf August von Platen im Jahr 1825)

"...wen der Pfeil des Schönen je getroffen?" ...und dann kommt der Schmerz?

Von Platen, der sein Leben lang nach Perfektion und Schönheit gesucht hatte, ist wegen seiner "Schmerzen" irgendwann einfach depressiv geworden. Und was können wir Autoliebhaber vom schreibendem Schöngeist jetzt lernen?

Bei der Wahl des besten Autos ist es ähnlich wie der Wahl der richtigen Frau. Die Optik ist zugegeben zwar wichtig, sie sollte bei der Entscheidung aber dennoch nicht den letzten Ausschlag geben. Zuhause sorgt der hübsche Blender langfristig eh nicht nur für Ärger, der Spaß kann zusätzlich auch noch furchtbar teuer werden.

Die Untersuchung der Karosserie nach dem TimeMAX-Standard

Sie wollen wissen, ob Ihr Wagen wirklich rostfrei ist? Lassen Sie eine endoskopische Untersuchung durchführen, kommen Sie  zu uns!

Der erste Termin bei uns ist immer Teamwork: Zusammen mit dem Kunden wird der Wagen einer standardisierten Prüfung unterzogen. Dieser Vorgang wird immer nach dem exakt gleichen Muster durchgeführt und hat sich nach jahrelangen Erfahrungen sehr bewährt.

Und weil der Kunde hautnah mit dabei ist und sieht, wie es um sein Fahrzeug wirklich steht, gelingt es uns so viel schneller und besser, schwierige Details der manchmal recht komplexen Materie "rüber zu bringen".

Falls der Fahrzeug-Typ bei uns in der Werkstatt eher selten ist, wird vor der Untersuchung im Archiv recherchiert. Zu fast allen Modellen haben wir Literatur gesammelt. Hier finden unsere Mitarbeiter Kaufberatungen aus Fachzeitschriften und gesammelte Beiträge aus Internetforen. Auch unsere eigene Foto-Datenbank hilft weiter. Für alle Modelle, die schon mal bei uns waren, gibt es bei uns in der Datenbank sogenannte „Schwachstellen-Ordner“. Fast schon ein Gruselkabinett: Hier sammeln wir unsere Rostfotos…

Zuerst die Sichtprüfung:

-Wie steht es um die sogenannten Spaltmaße, stimmen die Abstände zwischen den einzelnen Bauteilen, z.B. zwischen Türen und Kotflügeln?
-Ist der Wagen unfallfrei? Wurde er nachlackiert? Gibt es versteckte Knitter- und Stauchspuren an der Karosserie?
-Gibt es Blasen unter dem Lack und schlecht reparierte Karosserieschäden?

Bei der eigentlichen Diagnose kommt bei uns moderne Technik zum Einsatz: Neben der Schichtdickenmessung und der Endoskopie setzen wir zur Reinigung des Unterbodens seit 2005 auch das sogenannte Trockeneisstrahlen ein. Lesen Sie hierzu bitte das Kapitel „Trockeneisstrahlen“.

Schichtdickenmessung: Wo ist Spachtel unter dem Lack?

Schon so manchem stolzen Autobesitzer haben wir mit unserer Diagnose-Technik die Tränen in die Augen getrieben. Mitunter innerhalb von zwei Minuten hat der Einsatz unserer Schichtdickenmessgeräte den Kunden so gründlich die Laune verdorben, dass die Weiterführung der Unterhaltung sehr viel psychologisches Fingerspitzengefühl verlangte.

Wichtig bei unseren Schichtdickenmessgeräten: Genauigkeit, robuste Technik und viele Einsatzmöglichkeiten. Unser Combi D3 von Salutron ist z. B. ein sogenanntes Multifunktionsmessgerät. Es misst Lack- und Spachtelschichten sowohl auf Stahl- als auch auf Aluminiumblech. Die „188“ im Display müssten eigentlich 188 Mikrometer, also 0,188 mm bedeuten.

Kein Grund zu Sorge eigentlich. Der Wert ließe vermuten, dass der abgebildete Kotflügel nachlackiert wurde. Beim genauen Betrachten sieht man aber leider das Komma, leider sind es 1,88 Millimeter. Der Spachtel ist also dicker als erwartet.
Die Untersuchung mit dem Schichtdickenmessgerät ist nicht nur für unsere Kunden interessant. Auch für uns ist es wichtig zu erfahren, wie dick die Lack- und Spachtelschichten wirklich sind. An den als Schwachstellen bekannten gefährdeten Stellen messen wir immer zuerst, denn dicke Spachtelschichten sind oft ein Zeichen für Pfusch. Die Ergebnisse der Schichtdickenmessung werden schriftlich fixiert und bilden einen Anhaltspunkt für die folgende zweite Diagnose-Technik: Die Endoskopie.

 

Viele Zahlen, die auf Spachtel hindeuten, aber warum ist links die Hand eines Kunden im Bild?

Die Hand am Klemmbrett gehört einem Auto-Besitzer, der mit seinem Wagen zum ersten Mal bei uns ist. Der erste Kontakt zwischen seinem Auto und unserer Werkstatt sieht wie oben schon erwähnt immer so aus: Noch bevor der Wagen auf die Bühne kommt, misst einer unser Meister rundherum die Schichtdicken auf dem Blech. So können wir prüfen, wie dick Nachlackierungen und Spachtel sind. Später bei der Endoskopie helfen uns diese Erkenntnisse dann weiter: Da, wo Spachtel und Lack besonders dick sind, schauen wir von innen noch einmal genauer nach. Auch Unfälle und versteckte Rostschäden finden wir so wesentlich schneller.
Ach ja, die Hand des Kunden ist übrigens im Bild, weil er das Klemmbrett mit der Explosionszeichnung hält. Nicht wundern also beim ersten Besuch, der Anfang bei uns wie schon gesagt immer Teamwork. Ein TimeMAX-Meister führt die Schichtdickenmessung durch und der Kunde trägt die Messwerte in die Zeichnung ein.

Endoskopie: Der Blick ins Innere der Karosserie

Oben auf der Bühne geht´s weiter: Der erste Blick gilt dem Unterbodenschutz. Ist er ausgetrocknet und vielleicht unterrostet?

Der nächste Teil der Untersuchung ist für viele Kunden der spannenste: die Endoskopie der Hohlräume. Günstige, d. h. starre Endoskope helfen unserer Ansicht nach hier nicht weiter. Für den Blick ins Innere der Karosserie benutzen wir deshalb flexible und lichtstarke Profi-Endoskope. Für weit entfernte und verwinkelte Bereiche kommen sogar flexible drei Meter lange Storz-Endoskope mit integriertem Lichtleiter zum Einsatz (siehe www.karlstorz.de). Sie liefern ein extrem scharfes Bild. Nur mit dieser teuren und aufwändigen Technik kann z. B. auch nach der Behandlung geprüft werden, ob alle gefährdeten Bereiche erreicht worden sind. Unseres Wissens sind wir die einzige Werkstatt in Europa, die diese Technik einsetzt.



Einblick in die verwinkelten Hohlräume der Karosserie mit flexiblen Storz-Endoskopen.

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Falls wir bei der Diagnose etwas mehr Rost finden, als Sie erwartet haben, sollten Sie nicht gleich verzweifeln. Schwere Depressionen wie beim anfangs erwähnten Dichter sind auch bei starkem Rost oft unbegründet. Zum Einen ist Rost bei älteren Autos etwas völlig normales und zum Anderen wurde unser Rostschutz-System genau für diese Aufgabe entwickelt. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Kapitel „Geschichte“. Bitte immer daran denken: Unsere Materialien funktionieren sogar, wenn die Hohlräume der Karosserie bereits stark angerostet ist. Keine Sorge also! 

  

Links die Fernsteuerung eines flexiblen Endoskopes. Rechts der mit Hilfe der Fernsteuerung abgewinkelte Endoskop-Kopf. Mit dieser Technik werden beim Diagnose-Termin spannende Einblicke ins Innere der Karosserie möglich.